Comma 16: Stimmen Mitteleuropas

posted by ush on 2008/01/05 09:24

[ Literatur | -e ]

Das Das Literaturmagazin comma - herausgegeben vom Verein zur Förderung zeitgenössischer Literatur, Kunst und Philosophie e.V. - unternimmt in seiner 16ten Nummer, die in Folge der Leipziger Buchmesse entstand, eine Art Parallelunternehmen zum hier mehrfach präsentierten Netzwerk Verbotene Worte.

Im Editorial zur Ausgabe heißt es:

Hat sich mit der Teilung der Tschechoslowakei vor 15 Jahren auch die kulturelle Identität beider Nationen verändert? Welche Selbstbilder pflegen oder entwerfen Menschen in einem Teil der Welt, der zu Mitteleuropa gehört, bisweilen aber noch immer zu Osteuropa gezählt wird? Die Bezeichnung Ostmitteleuropa hilft über diese Komplikation dürftig hinweg, ist aber völlig ungeeignet als eine gute Antwort auf die Frage, woher oder gar wer man sei. Das Unternehmen kollektiver Selbstbeschreibung verkompliziert sich mit fortschreitender Geschichte. Sind also Geschichten – und nicht Bezeichnungen – eine bessere Antwort auf die Frage?
[...]
Besonders auffällig erscheint die Wiederkehr eines Motivs, das in unterschiedlicher Gestalt alle Texte mehr oder weniger stark bestimmt: die Situation, in irgendeiner Weise unterwegs zu sein – mit dem Bus, zu Fuß oder auf der Suche nach etwas – aber nicht voran oder gar zu spät zu kommen. Ob sich darin nun ein beliebtes Thema zeitgenössischer Literatur widerspiegelt oder ob sich in den Bildern eine spezifische kollektive Stimmungslage bekundet, das kann diese Ausgabe gewiss nicht beantworten. Sie lädt aber dazu ein, darüber nachzudenken.

 

"Kulturelle Idenität", der das Heft gewidmet ist, verliert nicht an Aktualität. Dass angesichts mehrere, dicht aufeinander folgender gesellschaftlicher Umstrukturierungen und politischer Umbrüche die AutorInnen "unterwegs sind", verwundert so eigentlich weniger. Woher auch sollte die Gewissheit, angekommen zu sein, kommen? Wäre es überhaupt wünschenswert, jetzt angekommen zu sein?

 


Antworten

01 by ush at 2008/01/11 09:04 Bitte registrieren und/oder loggen Sie ein, um zu antworten
Alexander Friedrich berichtigte freundlicherweise ein Missverständnis in meiner obigen Darstellung des Heftes und schrieb:
Ihre Bemerkung, dass die Publikation "infolge der Leipziger Buchmesse" entstand, beruht indessen auf einem Missverständnis. Und zwar in doppelter Hinsicht: Die Neuerscheinung knüpft zum einen an frühere comma Ausgaben aus, in denen bereits verschiedene Texte tschechischer und slowakischer Autoren erschienen. Und zum anderen haben wir eine dieser Ausgaben, die "Slowakische Anthologie", im Herbst 2006 auf der Frankfurter Buchmesse (nicht auf der Leipziger) vorgestellt. Leipzig/Chemnitz ist der Erscheinungsort des Heftes.
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Alexander Friedrich
Verein zur Förderung zeitgenössischer Literatur, Kunst und Philosophie e.V.
Stieglitzstr. 86 | 04229 Leipzig
comma

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Einblicke in Editor's Welt. Interessiert an Geisteswissenschaften, staunend über Medien, Tendenz zum Bizzarren, vor allem in der Literatur. Über Anregungen, Kritiken, Kommentare freuen sich Usha Reber (editor@kakanien.ac.at und János Békési (webmaster@kakanien.ac.at).
The workshop Balkan Studies - quo vadis? is held on April 25, 2009.

Venue: HS, Inst. Slawistik, AAKH / Campus
The programme is to be found here, the abstracts are available as Balkan Studies 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, and as pdf.
Ort: HS, IOG, AAKH, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Zeit: 2. bis 4. April 2009
Veranstalter: IOG, Kk.rev
Funding: Fritz-Thyssen-Stiftung, Köln

Programm, Abstracts (.pdf)
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