Wendelin Schmidt Dengler (1942-2008)

posted by PP on 2008/09/08 17:52

[ Nachruf | obituary ]

Wendelin Schmidt-Dengler, Professor für Neuere deutsche Literatur, Altphilologe, Fußball- und hier vor allem Rapidfan ist gestorben. Seine Vorlesungen waren Pflicht für alle, denen Lesen etwas bedeutet. Seine Kritik war stets fair, vor allem auch weil sie dem Gegenstand verpflichtet war. Er war ein unendlich kluger, belesener und witziger, er war ein guter Mensch. Er hat (wie Karl Kraus über Nestroy schrieb) "aus dem Stand in die Welt gedacht". Und er lebte jene Verbindung, die auf den eigentlich dafür bestallten Universitäten doch so selten zu finden ist: jene von Forschendem und Lehrendem. Die Lücke, die er hinterlässt, ist so viel mehr als bloß eine sprichwörtliche. Und sie wird sich nicht füllen lassen. Unser Beileid gilt der Familie.

Die Plattform Kakanien revisited verdankt ihm wesentliche Unterstützung - von der Gründung an durch all die Jahre hindurch. Folglich war er auch einer der ersten, die bei uns einen Text publizierten. Dieser - "Ach Österreich!" - findet sich hier [.pdf|.

Wendelin Schmidt-Dengler, geboren in Zagreb, war Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien und Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek. Zahlreiche Preise kennzeichneten die breite Anerkennung seines Wirkens, u.a.:

  • Theodor-Körner-Preis (1968)
  • Förderungspreis der Gemeinde Wien (1978)
  • Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik (1994)
  • Preis für Sozial- und Geisteswissenschaften der Stadt Wien (1997)
  • Wissenschaftler des Jahres (2007)

Heuer hätte er überdies den "Preis der Kritik" auf der Frankfurter Buchmesse entgegennehmen sollen.

Gastprofessuren - in Pisa, Neapel, Klagenfurt, Salzburg, Graz und Stanford - sowie zahlreiche Konferenz- und Workshopteilnahmen machten ihn weit über den Kreis der LeserInnen seiner Rezensionen, Kritiken und Essays, v.a. aber auch der Bücher und gut 400 fachwissenschaftlichen Artikel sowie der HörerInnen seiner regelmäßigen Beiträge für den Rundfunk bekannt. 

Im Curriculum vitae, das Schmidt-Dengler für Seitenwechsel abfasste, formulierte er noch vor wenigen Monaten:

Geb. 1942, Professor am Institut für Germanistik der Universität Wien, Leiter des Österreichischen Literaturarchivs. Studium der Klassischen Philologie und Germanistik in Wien. Bücher über Rezeption der antiken Mythologie, Thomas Bernhard, Johann Nestroy, Ernst Jandl, Literatur der Zwischenkriegszeit und Zeit nach 1945 in Österreich. Herausgeber der nachgelassenen Schriften Heimito von Doderers, Herzmanovsky-Orlandos, Mitherausgeber der Neuausgabe der Werke Thomas Bernhards. Rapidanhänger seit 1952. EM-Tipp: Kroatien ("Kroatien, mein Geburtsland! Lepa naša domovina!!!")

 

 

 

Zum Nachlesen: Wendelin Schmidt-Denglers "Notizen zur Lehrveranstaltung" Österrreichische Gegenwartsliteratur ab 1990

 

Eine Sammlung von Nachrufen findet sich hier.

 

Manuskript-Skizze Heimito von Doderers zur Neubearbeitung der "Dämonen" (aus dem Katalog der Ausstellung "Die Teile und das Ganze" im Marbacher Literaturarchiv, für die Wendelin Schmidt-Dengler 2003 die Eröffnungsrede hielt.)


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Senior Editor

Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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