Die Tür der Weltgeschichte

posted by PP on 2009/03/29 19:16

[ 1989/90 ]

Alfred Gusenbauer hat im dieswochenendlichen Album des Standard weit ausgeholt und lässt das Annus mirabilis 1989 - diverse Ursachen, Wirkungen und internationale Parallelverschiebungen inklusive - Revue passieren: Freiheit, die sie meinen. Diese Frage nach der Freiheit wird gleich eingangs gestellt:

Lässt man die damit jeweils verbundenen Wertschätzungen, Interpretationsabsichten und Strategien beiseite, bleiben fünf Dimensionen von "Freiheit" übrig: eine politische, eine materielle beziehungsweise ökonomische, eine nationale, eine persönliche (etwa hinsichtlich der Lebensführung) und schließlich eine konsumistische und auf die Warenwelt bezogene. [/] Die Problematik, vor der wir nun zwanzig Jahre später stehen, hat auch wesentlich mit diesbezüglich bis heute nicht eingelösten Versprechungen zu tun. Gerade der Umstand, dass in den meisten Ländern die nachfolgenden Regierungen nicht imstande waren, die fünf Freiheitshoffnungen bzw. -versprechungen zu erfüllen, führte in den 20 Jahren seitdem häufig zu wechselnden Regierungen. Die Wahlergebnisse erscheinen als Indikator für virulente Verlustgefühle, für die nicht zu einem guten Ende erzählten Geschichten.
Und:
Die Weltgeschichte öffnete 1989 unvermutet eine Tür. Als wir diese hinter uns hatten, war es um zahlreiche Gewissheiten mit Ewigkeitsanspruch geschehen, und wir hatten sowohl das Ende kommunistisch-autoritärer Regime als auch rechter Diktaturen miterlebt. Eine vereinheitlichende konservative Sicht muss sich im Übrigen auch der Frage stellen, wie das denn in der DDR war: Hier wie in vielen anderen Ländern wollten ja viele Protagonisten des Umbruchs weniger den Kommunismus an sich abschaffen, sie wollten vielmehr einen anderen Kommunismus - nicht zuletzt deshalb dauerte es in der DDR auch eine Zeit, bis aus "Wir sind das Volk!" "Wir sind ein Volk!" wurde. Doch nicht zuletzt die ungeheure Dynamik des 1989er-Jahres sorgte dafür, dass viele Anliegen der Revolutionen, Demonstrationen und insgesamt Oppositionsbewegungen im Laufe weniger Monate untergingen.
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Seitenwechsel. Geschichten vom Fußball. Hgg. v. Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bohmann 2008, 237 pp.
(Weitere Informationen hier)
Transcarpathica. Germanistisches Jahrbuch Rumänien 3-4/2004-2005. Hgg. v. Andrei Corbea-Hoisie u. Alexander Rubel. Bukarest/Bucuresti: Editura Paideia 2008, 336 pp.
[Die online-Fassung meines Einleitungsbeitrags "Thesen zur Bedeutung der Medien für Erinnerungen und Kulturen in Mitteleuropa" findet sich auf Kakanien revisited (Abstract / .pdf).]
Seitenweise. Was das Buch ist. Hgg. v. Thomas Eder, Samo Kobenter u. Peter Plener. Wien: Bundespressedienst 2010, 480 pp.
(Weitere Informationen hier wie da, v.a. auch do. - und die Rezension von Ursula Reber findet sich hier [.pdf].)
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